Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Natur nutzen und schützen


Naturnutzung und Naturschutz widersprechen sich nicht © Ariane Meier
Foto: Jugendliche erholen sich im Park © Ariane Meier

Der Mensch ist nur lebensfähig und gesund, weil und wenn die Natur ihn mit ihren Ressourcen versorgt. Doch genauso abhängig wie der Mensch von der Natur ist inzwischen die Natur vom Wohlwollen des Menschen. Ein Teil seiner Aktivitäten verändert die Qualität der Natur und bedroht in der Konsequenz die Existenz sowohl der Natur als auch des Menschen. Das wachsende Bewusstsein über den engen Zusammenhang von Naturschutz und Gesundheit führt dazu, dass der Mensch die Folgen seines Handelns für die Natur stärker in seine Entscheidungen einbezieht.

Naturnutzung und Naturschutz widersprechen sich nicht notwendig, sondern haben enormes Entwicklungspotenzial, wenn sie klug verknüpft werden.


Natur als Erholungsort

Erholung bedeutet die Wiederherstellung der durch Beanspruchung verloren gegangenen körperlichen, geistigen und seelischen Leistungsfähigkeit (Evert 2001). Erholung ist eine Basis menschlicher Gesundheit. Ein Mensch kann sich passiv erholen, während er auf einer Parkbank sitzt, oder aktiv, wenn er spazieren geht, schwimmt oder Rad fährt. Landschafts- und freiraumbezogene Erholung umfasst Aktivitäten, für die Natur und Landschaft Voraussetzung sind und bei der die Grundbedürfnisse des Erholungssuchenden – Ruhe, Bewegung und soziale Kontakte bei gesunden Umwelteinflüssen und in erlebnisreicher Umgebung – erfüllt werden, ohne dass damit eine spezielle Ausrüstung, Ausbildung und größere Kosten verbunden sind (Kiemstedt & Horlitz 1984). Dazu gehören unter anderem Spazierengehen, Wandern und Radfahren sowie weitere natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigungen in der freien Natur.


Recht auf Erholung

Das Recht auf Erholung ist nach Artikel 24 der  Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein elementares Menschenrecht: „Jeder Mensch hat Anspruch auf Erholung und Freizeit sowie auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und auf periodischen, bezahlten Urlaub“.

Artikel 2 Abs. 1 GG verankert ein Grundrecht auf Erholung gesetzlich: „Das Recht auf Erholung ist im Zuge des Rechts auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit im Grundgesetz garantiert“. Weiter präzisiert wird das Recht auf Erholung durch Vorschriften des Bundes- und Länderrechts. Das neue Bundesnaturschutzgesetz, das seit dem 1. März 2010 in Kraft ist, weist dem Gesundheitsschutz im Zusammenhang mit dem Naturschutz eine verstärkte Bedeutung zu. So sind nach § 1 Abs. 1 Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege, „Natur und Landschaft aufgrund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für zukünftige Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich zu schützen“.

Erholung in der Natur ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. Die unterschiedlichen Natur- und Kulturlandschaften Deutschlands mit ihren Wäldern, Gewässern und Bergen, aber auch urbane Landschaften mit städtischen Grünflächen können optimalen Raum für passive und aktive Erholung bieten. Insbesondere Großschutzgebiete wie Nationalparke, Naturparke und Biosphärenreservate bieten vielfältige Möglichkeiten, sich zu erholen. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) hebt in seinem Abschnitt „Erholung in Natur und Landschaft“ die Erholungsfunktion der Natur ausdrücklich hervor.


Erholung in Natur und Landschaft im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

§ 56 Betreten der Flur
(1) Die Länder gestatten das Betreten der Flur auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung auf eigene Gefahr.
(2) Sie können weitergehende Vorschriften erlassen.
(3) Sie können auch das Betreten aus wichtigen Gründen, insbesondere aus solchen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Feldschutzes und der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, zum Schutz der Erholungsuchenden oder zur Vermeidung erheblicher Schäden oder zur Wahrung anderer schutzwürdiger Interessen des Grundstücksbesitzers einschränken sowie andere Benutzungsarten ganz oder teilweise dem Betreten gleichstellen.
(4) Die erlaubnisfreie Benutzung von oberirdischen Gewässern richtet sich nach den §§ 23 und 24 des Wasserhaushaltsgesetzes sowie den Wassergesetzen der Länder.
§ 57 Bereitstellen von Grundstücken
(1) Der Bund stellt in seinem Eigentum oder Besitz stehende Grundstücke, die sich nach ihrer Beschaffenheit für die Erholung der Bevölkerung eignen, wie
1. Ufergrundstücke,
2. Grundstücke mit schönen Landschaftsbestandteilen,
3. Grundstücke, über die sich der Zugang zu nicht oder nicht ausreichend zugänglichen Wäldern, Seen oder Meeresstränden ermöglichen lässt, im angemessenen Umfang für die Erholung bereit, soweit dies mit einer nachhaltigen Nutzung und den sonstigen Zielen von Naturschutz und Landschaftspflege vereinbar ist und eine öffentliche Zweckbindung nicht entgegensteht.
(2) Die Länder sollen für ihren Bereich sowie für die Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige Personen des öffentlichen Rechts in sinngemäßer Anwendung des Absatzes 1 Vorschriften über das Bereitstellen von Grundstücken zum Zweck der Erholung erlassen.


Gut fühlen in der Natur

Doch die gesundheitsfördernde Wirkung der Natur geht über Erholung und Entspannung hinaus. Naturerfahrung und -erlebnis sind wichtige Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung. Positive Naturerfahrungen stärken das Lebensgefühl, schulen die sinnliche Wahrnehmung und das ästhetische Empfinden, vermindern Aggressivität, fördern Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit sowie die Ausbildung motorischer Fähigkeiten. Schon die Möglichkeit, Natur betrachten zu können, unterstützt laut verschiedener Studien (Kaplan 1995; Ulrich 1983) die Erholung von Stress und psychischer Müdigkeit. Stress wird in naturnaher Umgebung schneller abgebaut als im bebauten Umfeld. Ein Grund dafür ist, dass man sich in natürlicher Umgebung generell ausgeglichener fühlt als in bebauter (Tyrväinen et al. 2005: 86). Die emotionale Bewertung von Landschaftstypen ist dabei sehr unterschiedlich. Während parkartige Kulturlandschaften und Wasserflächen favorisiert werden, können ursprüngliche und wilde Landschaften Unbehagen auslösen. Am wenigsten schätzen Erholungssuchende landwirtschaftlich genutzte Flächen (Kaltenborn & Bjerke 2002).


Radeln gegen Zivilisationskrankheiten © Atelier Papenfuss
Foto: Radfahrer © Atelier Papenfuss

Bewegen in der Natur

Besonders bei aktiver Erholung kommt die gesundheitsfördernde Wirkung von Natur und Landschaft zum Tragen. Bewegung und Sport gehören zu den wichtigsten  präventiven und  gesundheitsfördernden Maßnahmen gegen die so genannten Zivilisationskrankheiten wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes mellitus (Typ II), Osteoporose und Depression. Neuere Erkenntnisse belegen, dass bewegungsfreundlich gestaltete und als bewegungsattraktiv wahrgenommene Umgebungen zu körperlicher Aktivität motivieren (Bird 2004). Darüber hinaus zeigen Studien einen synergistischen Effekt von Natur und Bewegung. Wurden Probanden während des Sports Bilder von schönen Landschaften gezeigt, stieg deren Selbstwertgefühl (Pretty et al