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Neue Arten


Der Riesenbärenklau breitet sich aus © H. Haeupler
Foto: Riesenbärenklau © H. Haeupler

Hatten Sie schon einmal Besuch von einem Waschbären? Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn der bei uns eingebürgerte Kleinbär aus Nord- und Mittelamerika gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten "Neulingen" in Europa. Nach Deutschland gelangte der Waschbär zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Pelztierzüchter, und am nordhessischen Edersee wurde er sogar aktiv ausgewildert. Weil der Waschbär bis 1954 unter Schutz stand, konnte er sich in Deutschland ausbreiten. Da er nur geringe Ansprüche an die Art seiner Nahrung stellt und sich schnell an andere Umstände anpassen kann, besiedelt er erfolgreich neue Lebensräume und sogar Städte, wo er sich von Speiseresten in Mülltonnen ernährt. In Kassel gibt es seit 1960 die europaweit erste und inzwischen dichteste Waschbär-Population. In Bielefeld sind einzelne Waschbären zu Hause, in Berlin leben inzwischen 120 Waschbär-Familien. Heute ist der Waschbär innerhalb Deutschlands im Dreiländereck Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen am stärksten verbreitet.

Pflanzen- und Tierarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern durch den Einfluss des Menschen zu uns gelangen oder gelangt sind, nennt man gebietsfremde Arten ( Neobiota). Sie werden auch als „Exoten“ oder „fremdländische Arten“ bezeichnet. Gebietsfremde Arten können beabsichtigt zu uns gelangen, zum Beispiel durch die Einfuhr von Zier- und Nutzpflanzen, Fischerei (Regenbogenforelle), Jagd (Mufflon), Pelzzucht (Nordamerikanischer Waschbär) oder Aquakultur (Pazifische Auster). Unbeabsichtigt gelangen sie unter anderem durch den Bau von Kanälen, die Schifffahrt oder den Waren- und den Reiseverkehr zu uns.  


Freunde oder Feinde?

Nur wenige der bei uns eingeführten oder eingebrachten Arten können am neuen Standort überleben. In Deutschland kommen ca. 1000 gebietsfremde Pflanzenarten vor, von denen sich bisher etwa 400 Pflanzenarten dauerhaft in der Natur etablieren konnten. Viele davon werden kaum noch als fremd empfunden.

Von den bei uns nachgewiesenen rund 1100 gebietsfremden Tierarten haben sich inzwischen 264 Arten etabliert. Die Einwanderer können in natürlichen und naturnahen Lebensräumen eine Gefahr für einheimische ( indigene) Arten darstellen, wenn sie mit ihnen in Konkurrenz treten und sie verdrängen.


Wenige Arten bereiten Probleme

Nur wenige gebietsfremde Arten haben negative Auswirkungen auf einheimische Arten und Ökosysteme. Diese sogenannten invasiven Arten machen bei den Pflanzen rund 10 Prozent der insgesamt 400 in Deutschland etablierten gebietsfremden Arten aus. Zusätzlich können gebietsfremde Arten auch die Landwirtschaft (Schädlinge, Unkräuter) oder die menschliche Gesundheit gefährden.

Von den in Deutschland etablierten gebietsfremden Tierarten sind bislang nur 5 Prozent invasiv. Aus Naturschutzsicht problematisch sind u. a. der amerikanische Nerz oder Mink, der amerikanische Ochsenfrosch und die Pazifische Auster. Sie gefährden heimische Arten durch Nahrungskonkurrenz oder Fraßdruck.

Einige Arten, wie beispielsweise die Allergien auslösende Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) oder der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), stellen eine Gesundheitsgefahr da. Der Waschbär kann den Waschbärspulwurm übertragen, doch wer den Kontakt zu den Bären vermeidet, setzt sich keiner Gefahr aus. Von der Haltung eines Waschbären als Haustier sollten Sie also besser absehen.


Maßnahmen gegen die Ausbreitung

Naturschützer beobachten die Bestandsentwicklung und Ausbreitung gebietsfremder Arten und können so bei Bedarf Gegenmaßnahmen entwickeln. Das kommt, wie im Fall der Ambrosie, auch der menschlichen Gesundheit zu Gute. Zunächst soll verhindert werden, dass weitere Arten zu uns gelangen, und durch ein Frühwarnsystem sollen gebietsfremde Arten erkannt und ihre Verbreitung durch Sofortmaßnahmen verhindert werden. In Deutschland muss nach dem  Bundesnaturschutzgesetz das Ansiedeln gebietsfremder Pflanzen und Tiere in der freien Landschaft genehmigt werden.  


Aus unserer Projektdatenbank:

zur Projektdatenbank

Links

Wanderausstellung  Neobiota – Aliens im Vorgarten

Neue Pflanzen und invasive Arten  Neobiota

Waschbär-Forschungsprojekt  Müritz-Nationalpark

Waschbären  in Berlin

Ambrosie  Neobiota

Riesen-Bärenklau  Neobiota

 Bundesnaturschutzgesetz

Waschbären und andere invasive Tierarten  Gebietsfremde Arten

Rechtliche Regelungen zu  Invasiven Arten

 Invasive Gartenpflanzen

Riesenbärenklau  Praxisleitfaden

Ambrosie  Infoblatt Schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (2006)