Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz und Klima


Naturschutz kann Folgen von Extremwetterereignissen abschwächen © Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Landschaft im Nebel © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Als Klima wird das langfristige Mittel der Wetterzustände mit tages- und jahreszeitlichen Schwankungen an einem Ort bezeichnet. Diese Erscheinung ist nicht nur für das Leben von Tieren und Pflanzen wesentlich, sondern auch für das Leben und die Gesundheit des Menschen.


Klimawandel

Das Klima der Erde wechselt seit ihrem Bestehen ständig. Zu Umbrüchen wie beispielsweise zur Eiszeit haben bisher natürliche Ursachen geführt. Für die nächsten Jahrzehnte zeichnet sich jedoch ein größtenteils durch den Menschen ausgelöster Klimawandel ab.

Unter Klimawandel versteht man längerfristige Veränderungen der durchschnittlichen Klimawerte oder eine Wechselhaftigkeit des Klimas, die im Normalfall Jahrzehnte oder Jahrhunderte anhalten. Ein einzelner Sturm, einige warme Wintertage oder Starkregenereignisse lassen noch nicht auf einen Wandel des Klimas schließen. Diese Ereignisse können höchstens als „Wetterkapriolen“ bezeichnet werden. Erst die langjährige, statistisch signifikante Häufung von Extremwetterereignissen und Veränderungen in den Durchschnittswerten geben mögliche Hinweise auf einen Klimawandel. Die Klimadaten für das vergangene Jahrhundert lassen einen Klimawandel in Form einer weltweiten Erwärmung um mehr als 0,7 Grad Celsius erkennen. Bestätigt wird diese Erkenntnis unter anderem durch den aus zahlreichen Gebirgs- und Polarregionen belegten Rückzug der Gletscher. Ein großer Teil der wissenschaftlichen Erkenntnisse deutet darauf hin, dass die derzeit beobachteten Klimaveränderungen zum größten Teil durch menschliche Aktivitäten verursacht werden, besonders durch die Nutzung fossiler Brennstoffe und durch die Auswirkungen der Landnutzung auf die Vegetationsdecke. Der für die nächsten Jahrzehnte prognostizierte Klimawandel beinhaltet Temperaturanstiege (die „globale Erwärmung“), den Anstieg des Meeresspiegels, Veränderungen der Niederschlagsverteilung und ein gehäuftes Auftreten von Extremereignissen, die lokal in ganz unterschiedlicher Stärke auftreten können.

In Deutschland deuten die Prognosen vor allem auf höhere Temperaturen und veränderte Niederschläge hin: Gerade die Sommer werden in den meisten Gebieten trockener werden. Der Klimawandel verstärkt oft andere bereits bestehende Gefährdungen und wird dadurch tatsächlich neben Lebensraumverlust und -degradation zu einer der größten Bedrohungen für die Vielfalt des Lebens auf der Erde.


Veränderungen in Deutschland

Bereits heute lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels beobachten. Und es sind nicht nur die schmelzenden Polkappen, Gletscher oder Permafrostböden – auch direkt vor unserer Haustür werden die Veränderungen inzwischen deutlich. Die Apfelblüte findet im Durchschnitt 10 Tage früher als noch in den 1960er Jahren statt, und der Kuckuck zieht sich in kühlere Höhenlagen zurück, da seine Wirtsvögel im Tiefland bei seiner Rückreise aus dem südlichen Überwinterungsquartier bereits die Eier ausgebrütet haben. Für Wildpflanzen und -tiere bedeutet die Erwärmung häufig, dass sich Verbreitungsgebiete nach Norden und in höhere Lagen verschieben. Da unterschiedliche Arten nicht in derselben Weise und Geschwindigkeit auf klimatische Veränderungen reagieren, können sich Artengemeinschaften verändern oder komplett verschwinden. Ökosysteme und funktionelle Zusammenhänge können stark verändert werden.

Während es einigen heimischen Arten zu warm wird, fühlen sich zahlreiche exotische, Wärme liebende Arten bei uns bereits „wie zu Hause“. Kurios erscheint hierbei zunächst, dass in der nahen Schweiz inzwischen verwilderte Palmen (ostasiatische Hanfpalme) wachsen. Weniger kurios, sondern besorgniserregend ist es jedoch, wenn solche gebietsfremden Organismen sich so sehr ausbreiten, dass sie sowohl die heimische Natur bedrohen als auch für unsere Gesundheit problematisch sein können. Exotische Gartengewächse verwildern zunehmend (Kirschlorbeer, Sommerflieder) und könnten künftig auch einheimische Pflanzen verdrängen. Auch die stark allergieauslösende Beifuß-Ambrosie breitet sich in Deutschland derzeit stark aus. Krankheitserreger, die bislang aufgrund der mediterranen Verbreitung ihrer Überträger (Sandmücken, einige Zeckenarten, einige Pilze) bislang bei uns nicht vorkamen, werden nun zum Problem. Eine Studie des Umweltbundesamtes  (Maier 2003) bestätigt, dass in Deutschland wesentliche Voraussetzungen für das Auftreten neuer Arten und in der Folge neuer Infektionskrankheiten gegeben sind.


Schadensbegrenzung

In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass selbst bei einem entschlossenen und gut abgestimmten Vorgehen aller Beteiligten auf internationaler Ebene der Klimawandel nur noch auf ein tolerierbares Maß begrenzt, aber nicht mehr völlig verhindert werden kann. Dazu sind die bereits eingetretenen Veränderungen in der Zusammensetzung der Erdatmosphäre zu groß und die Reaktionen des Klimasystems zu langsam. Selbst wenn die Treibhausgase auf die Konzentrationen des Jahres 2000 begrenzt werden könnten, würde infolge der bereits emittierten Treibhausgase bis zum Ende des Jahrhunderts unvermeidlich eine Erwärmung um weitere 0,6 °C (Vergleichszeitraum 1980-1999) eintreten ( Weltklimarat, IPCC 2007).


Klimaschutz – Naturschutz – Gesundheitsschutz

Mit dem Schutz des Klimas werden nicht nur Umwelt und Natur vor Gefährdung bewahrt. Er zielt auch darauf, direkte gesundheitliche Risiken für den Menschen zu verhindern oder zu minimieren.

Naturschutz kann dabei kostengünstig zur Abschwächung der Klimaveränderungen und zum Schutz des Menschen vor den Auswirkungen von Extremereignissen und Naturkatastrophen beitragen. Vor allem im Bereich des Hochwasser- und Küstenschutzes, aber auch bei der Sicherung der Wasserversorgung in Trockenzeiten sind naturverträgliche Lösungen (Erhalt oder Renaturierung von Auen, Erhaltung oder Entwicklung von Wäldern, Schutz und Wiederherstellung natürlicher Küstenökosysteme und Überflutungsräume) oft mit geringeren Kosten verbunden als entsprechende technische Alternativen.

Es gilt daher zum einen, die natürlichen Ökosystemfunktionen wie beispielsweise Wasserspeicherung und Rückhaltung gegen Hochwasser zu erhalten oder wiederherzustellen und zum anderem, die Treibhausgasemissionen als Auslöser des Klimawandels zu reduzieren. 


Gegenmaßnahmen

Die wichtigsten Maßnahmen in Bezug auf die bestmögliche Abpufferung des erwarteten Klimawandels sind derzeit unter anderem Projekte, mit denen Treibhausgase wie CO2 entweder eingespart oder dem Kreislauf entzogen und festgelegt werden. Neben einer notwendigen Effizienzsteigerung in der Nutzung der Energieträger, wie zum Beispiel Kraftwärmekopplung bei Kraftwerksneubauten, sollten auch einige energieaufwendige Aktivitäten überdacht werden. Zusätzlich müsste beispielsweise der Verbrauch von fossilen Energieträgern (Öl, Gas, Kohle) durch die Substitution mit nachwachsenden Rohstoffen reduziert werden. Die fossilen Energiespeicher würden auf diese Weise geschont und lediglich das CO2 freigesetzt, das vorher während des Anbaus der nachwachsenden Rohstoffe gebunden wurde. Bei solchen Maßnahmen muss allerdings gewährleistet sein, dass die Rohstoffproduktion eine tatsächliche CO2-Einsparung bewirkt und dabei zugleich den Anforderungen des Naturschutzes gerecht wird.

Als zweiter Ansatzpunkt, der derzeit auf internationaler Ebene verhandelt wird, gilt die Erhöhung der Kohlenstoffspeicherung in Ökosystemen als Maßnahme zur Reduzierung der Treibhausgase in der Atmosphäre und damit zur Verlangsamung des Klimawandels. Auch hier bietet sich die Natur als „Dienstleister“ in Sachen Treibhausgasspeicherung an. Natürliche Ökosysteme (Meeres- und Landökosysteme) stellen die weltweit bedeutendsten CO2-Senken dar. An Land wird durch das Wachstum der Vegetation sowie durch Torfbildung in Mooren und Humusbildung in natürlichen Grasländern (Steppen, Prärien, Pampas) und Wäldern (insbesondere borealen und nemoralen Wäldern) dem Kreislauf Kohlenstoff entzogen und festgelegt. Dabei ist weltweit allein im Torf der Moore über 30 % des in Böden gespeicherten Kohlenstoffs gebunden, obwohl die Moore nur ca. 3 % der Landfläche der Erde ausmachen. Dies entspricht ebenso viel Kohlenstoff, wie in der terrestrischen Biomasse gebunden ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese natürlichen CO2-Senken zu schonen, zu schützen und – wo möglich – wiederherzustellen.


Anpassungen an den Klimawandel im urbanen Raum

In Hinblick auf den Klimawandel sind urbane Räume in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. So werden Städte und Ballungsräume zum einen am deutlichsten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein und zum anderen spielen sie eine zentrale Rolle bei der Realisierung einer klimagerechten Entwicklung. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland derzeit bereits über drei Viertel der Bevölkerung in Städten und Ballungsräumen leben, gewinnt die Frage nach einer nachhaltigen und klimagerechten Stadtentwicklung an Bedeutung.

Schon heute muss sich eine nachhaltige Stadtentwicklung, ob in schrumpfenden oder wachsenden Regionen, mit den absehbaren Auswirkungen des Klimawandels auf den Siedlungsraum auseinandersetzen. Aufgrund der im Vergleich zum Umland trockeneren, wärmeren und häufig gestörten Standortverhältnisse sowie erhöhter Schadstoffkonzentrationen lassen sich an Städten bereits heute die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf Ökosysteme, Biodiversität und Lebensqualität exemplarisch ablesen. Unabhängig von regionalen Unterschieden der Auswirkungen wird der Klimawandel die extremen Standortbedingungen des urbanen Lebensraums grundsätzlich weiter verschärfen, wobei die lebensraumprägenden Mikroklimate in der Stadt durchaus unterschiedlich beeinflusst werden.

Grün- und Freiraumstrukturen stellen auf regionaler (Stadt-Umland), gesamtstädtischer und quartiers- bzw. (wohn-)standortbezogener Ebene wesentliche Einflussgrößen auf das Stadtklima dar. Dazu gehören u. a. die Absorption der Globalstrahlung, die Abschattungswirkung und Verdunstungskühlung, die dem Hitzeinsel-Effekt der Städte entgegen wirkt, die Erhöhung der Luftfeuchte und die Abschwächung der Windgeschwindigkeit.

Damit kommen ihnen sowohl in Abhängigkeit von Quantität und Qualität, als auch unter Beachtung ihrer räumlichen Verteilung, Anordnung und Lage zukünftig wichtige Funktionen hinsichtlich der Entwicklung von Anpassungsstrategien, der Erhaltung der Biodiversität und insbesondere hinsichtlich der Lebensqualität für den Menschen in urbanen Räumen und Landschaften zu. Aktuell werden diese Wohlfahrtswirkungen und Zusammenhänge im BfN in dem F+E-Vorhaben „ Stadtnatur im Klimawandel“ genauer erforscht, dessen Ergebnisse im Laufe des Jahres 2010 vorliegen werden ( Mathey, J. et al. 2011).

Links

Klimaschutz  BfN

Verdrängung einheimischer Pflanzen  Neobiota

 F+E-Vorhaben „Noch wärmer, noch trockener? Stadtnatur im Klimawandel“