Bundesamt für Naturschutz

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Heilen in der Natur


Frische Luft, Bewegung, Stille – die Natur macht Sie wieder fit © Markus Kapitza
Foto: Zwei Mädchen genießen auf einer Bank die Natur © Markus Kapitza

Unser Leben prägen meist hohe berufliche Anforderungen und mangelnde Zeit für die eigenen Bedürfnisse. Wenig Bewegung und wenig frischen Luft sind die Regel. Der Anteil von Menschen, die an Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen oder Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems leiden, steigt. Aber auch psychische Krankheiten nehmen einen immer größeren Stellenwert ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Depressionen bis zum Jahr 2020 die zweithäufigste Erkrankung sein werden.


Natur heilt

Wissenschaftliche Studien belegen die positive Wirkung der Natur auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Natürliche oder naturnahe Landschaften bieten dem Menschen Raum für Bewegung, Ruhe und soziale Kontakte. Dort, wo Grünflächen in der Stadt schnell und direkt erreichbar sind, tragen sie zur Förderung der Lebensqualität und Lebenserwartung insbesondere älterer Menschen bei, wie eine japanische Studie zeigt (Takano et al. 2002). Natürliche und als schön empfundene Landschaften reduzieren wirksam Stress und verbessern die Stimmung. Allein der Aufenthalt in der Natur fordert den Körper durch die Anpassung an Wetter- und Klimaverhältnisse. Weil Bewegung in der Natur auch effektiv Kraft, Ausdauer und Koordination trainiert, lässt sich schon damit den so bedrohlichen  Zivilisationserkrankungen vorbeugen.


Unerschöpflicher Fundus

Aus der Natur schöpft die Medizin nicht nur die Basis vieler Medikamente, in der Natur finden auch eine Reihe alter und neuer wirksamer Therapien statt. Neben bekannten Natur-Therapieformen wie der Kneipp-Therapie werden auch Pflanzen und Tiere zur Heilung eingesetzt. Vor allem bei älteren Menschen und Kindern sowie im Falle psychischer Erkrankungen und in Drogentherapien lassen sich damit enorme Heilerfolge erzielen.

! Der „Kurort Natur“ hält ein unerschöpfliches Angebot an  gesundheitsfördernden Ressourcen für uns bereit. Sie können es einfach nutzen.


Heilbäder und Kurorte

Heilbäder und Kurorte sind Gebiete und Orte mit bevorzugter klimatischer Lage und besonderen natürlichen Gegebenheiten. So erfüllen sie beispielsweise hohe Anforderungen an die Luftqualität.

Deutschlands klimatische Verhältnisse sind sehr vielfältig. Wetterelemente wie Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, Licht und Strahlung stellen sich im Flachland anders dar als im Mittelgebirge, im Alpenvorland oder in den Alpen. Seeheilbäder bieten durch ihre Lage an der Meeresküste ein therapeutisch bewährtes Bioklima. Heilbäder und Kurorte fördern die Gesundheit neben den Heilbehandlungen bereits durch die körperliche Anpassung an die spezifischen Klimaverhältnisse. Bei den Behandlungen werden natürliche Heilmittel des Bodens, des Klimas und des Meeres angewendet. Im Sinne einer ganzheitlichen Therapie kommen natürliche Reize wie Licht, Luft, Kälte, Wärme, Ruhe und Bewegung zum Einsatz. 


Kneipp-Therapie

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) entwickelte ein ganzheitliches Konzept zur Vorbeugung und Behandlung vieler akuter und chronischer Erkrankungen, das noch heute Anwendung findet. Die Kneipp-Therapie umfasst dabei fünf Säulen:

• Ordnungstherapie

• Phytotherapie (Pflanzentherapie)

• Bewegungstherapie

• Ernährungstherapie

• Hydrotherapie (Wassertherapie)

Die wohl bekannteste Säule der Kneippschen Lehre ist die Hydrotherapie. Hier wird mit kalten und warm-heißen Wasseranwendungen gearbeitet. Die Therapiemöglichkeiten sind dabei vielfältig – Güsse, Bäder, Wickel, Inhalationen, Wasser- und Tautreten regulieren den Blutdruck, können bei Durchblutungsstörungen helfen und fördern die Heilung bei Infektionskrankheiten der Atemwege. Auch Stress kann damit positiv beeinflusst werden. Eine Kneipp-Kur dauert in der Regel 3 Wochen bei drei bis vier Anwendungen täglich.

Kneippen können Sie auch im Alltag. Probieren Sie es aus mit  Kneipp für zu Hause.


Heilgärten

Die positiven Wirkungen der Natur auf die menschliche Gesundheit können Sie in speziell angelegten Heilgärten besonders gut erleben. Heilgärten sind Rückzugs- und Erholungsräume mit dem Angebot, sich vom Stress und den Belastungen des Alltags oder außergewöhnlicher Situationen zu regenerieren.

Heilgärten sprechen alle Sinne an und eignen sich auch für kranke und immobile Menschen, die nicht in der freien Landschaft sein können oder möchten. Im geschützten Raum eines Heilgartens erleben sie die Natur unmittelbar, nehmen jahreszeitliche Veränderungen wahr, sehen, berühren und riechen Pflanzen und beobachten Tiere. Als Rückzugsorte und Kraftquellen in Seniorenheimen und Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Rehabilitationskliniken fördern sie die körperliche und geistige Entspannung sowohl bei Patienten und Besuchern als auch beim Personal.


Gesundheitskurse

Viele Krankenkassen in Deutschland haben längst bemerkt, dass Vorsorgen besser und vor allem kostengünstiger ist als Heilen. Deshalb bezuschussen sie im Rahmen von  Prävention und  Gesundheitsförderung Kurse für eine gesündere Lebensweise.

Die meisten Krankenkassen fördern Kurse zu Bewegung, Entspannung, Ernährung und Suchtberatung oder bieten eigene Kurse an. Bei Sport- und Bewegungsarten liegt der Fokus der Präventions- und Gesundheitsförderungskurse darauf, die Koordination und Ausdauer zu fördern und damit das Herz-Kreislauf- und Muskel-Skelett-System zu unterstützen. Das sind zum Beispiel (Nordic) Walking, Jogging, Aquafitness, Wirbelsäulengymnastik oder Rückenschule. Auch Kurse zur Stressreduktion und Entspannung werden von einigen Krankenkassen angeboten, so zum Beispiel Yoga, Autogenes Training, Tai Chi, Qi Gong, Progressive Muskelentspannung oder Anti-Stress-Schulungen. Ernährungskurse (Abnehmkurse, Ernährungsberatung) oder Kurse zur Genuss- und Suchtmittelentwöhnung (Raucherentwöhnung) gehören auch zum Angebot der meisten Krankenkassen.

 

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