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Allergien & Krankheitserreger


Die Pollen der Ambrosie können Allergien auslösen © Rudi May
Foto: Ambrosie mit Blüten © Rudi May

Rote, tränende Augen, Niesattacken, Atemnot, Jucken, geschwollene Haut – Pollen-Allergiker leiden einige Wochen oder gar Monate im Jahr unter belastenden Symptomen. Keine gute Nachricht, dass sich mit dem Klimawandel die Zeiträume des Pollenflugs ausdehnen und neue Allergieauslöser dazukommen. Es wird befürchtet, dass die Zahl der allergisch reagierenden Menschen steigt – ein Problem für sie und die Krankenkassen.


Neue Arten als Allergieauslöser

Im Zuge des Klimawandels wird damit gerechnet, dass sich gebietsfremde Arten – und damit auch Arten, die gesundheitliche Probleme verursachen – stärker ausbreiten. Ein prominentes Beispiel ist das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosie), das mit Lieferungen von verunreinigtem Saatgut und Vogelfutter zu uns gelangte. Weil die Ambrosie zur Samenreife lange, warme Sommer benötigt, begünstigt eine Erhöhung der Temperaturen ihre Ausbreitung. Der Ambrosie werden erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen zugeschrieben – ihre Pollen können Heuschnupfen oder sogar Asthma verursachen, bei Berührung kann sie Hautallergien auslösen. Da die Pflanze erst spät im Jahr blüht, verlängert sich die Leidenszeit der Betroffenen erheblich.


Verhaltensregeln bei Pollenallergien

Auch wenn Allergiker den Kontakt mit Pollen kaum vermeiden können, helfen doch ein paar Regeln und das Wissen um die Zusammenhänge, die Belastung zu reduzieren.

  • abends fliegen weniger Pollen – also abends spazieren gehen
  • bei trockenem, warmem Wetter fliegen mehr Pollen – also möglichst viel in Räumen bleiben
  • nach dem Aufenthalt im Freien Haare waschen
  • Kleidung, die im Freien getragen wurde, nicht im Schlafzimmer ablegen
  • Fenster und Türen geschlossen halten (Pollenschutzgitter ermöglichen regelmäßiges Lüften)
  • im Auto keine Pollen über die Lüftung aufwirbeln
  • Ambrosia-Pflanzen im Garten mit festen Handschuhen entfernen (lassen) und in einer Tüte im Hausmüll entsorgen, bei blühenden Pflanzen Atemschutzmaske tragen
  • vor oder nach einem Gewitter und an Tagen mit wechselnden Feucht- und Trockenphasen auf Aufenthalte im Freien verzichten
  • Räume und Möbel täglich feucht wischen

Neue Krankheiten in Deutschland

In Deutschland wirkt sich der Klimawandel indirekt auch durch die Ausbreitung neuer Krankheitserreger auf den Menschen aus. Wegen der steigenden Temperaturen verlagern sich die Brutgebiete einiger Überträger-Insekten in Richtung Norden und Nager als Wirte von Krankheiten vermehren sich durch die milden Temperaturen stärker. Zusätzlich werden durch Fernreisen und Fernhandel neue Infektionskrankheiten eingeschleppt. Es wird vermutet, dass bei einer weiteren Erhöhung der Temperaturen auch in Deutschland tropische Insekten heimisch werden und Nager sich noch stärker ausbreiten könnten.


Auswirkungen und Prognosen

Asiatische und Ägyptische Tigermücke als Überträger von Dengue-Fieber und Chikungunya haben in Europa bereits gebrütet, allerdings wird ein Heimischwerden in Deutschland in absehbarer Zeit als unwahrscheinlich eingeschätzt. Zecken als Überträger von Frühsommer-Meningoenzephalitis und Lyme-Borreliose vermehren sich nach Prognosen in den kommenden Jahren stärker, so dass die Gefahr, von einer infizierten Zecke gestochen zu werden, prozentual steigt. Im milden Winter 2007 traten in Deutschland ungewöhnlich viele Fälle von Hanta-Virus-Infektionen auf – vermuteter Grund waren die optimalen Vermehrungsbedingungen für den Überträger der Krankheit, die Rötelmaus. Sandmücken übertragen Leishmaniose und waren bisher in warmen Mittelmeerländern beheimatet. Doch auch diese Insektenart weitet ihre Brutgebiete nach Norden aus, so dass es in Baden-Württemberg bereits jetzt Erkrankungsgebiete gibt. Als wenig wahrscheinlich wird die Ausbreitung von Malaria in Deutschland angesehen. Die Gefahr einer Malaria-Infektion durch die Anopheles-Mücke ist nach wie vor bei Auslandsreisen am größten.