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Extremwetterereignisse


In Europa häufen sich Hochwasserkatastrophen © Dr. Rudolf Specht
Foto: Hochwasser am Rhein © Dr. Rudolf Specht

Im Zuge des Klimawandels scheinen extreme Wetterereignisse immer häufiger aufzutreten. Hierbei handelt es sich um kurzzeitige, gravierende Abweichungen vom durchschnittlichen Wetter in einer Region. Durch die Heftigkeit, mit der sich Starkniederschläge, Überschwemmungen, Stürme, starker Schneefall oder lange Dürre- und Hitzeperioden ereignen, sind sie häufig mit immensen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden und mit großen Belastungen für die Ökosysteme verbunden.


Starkniederschläge

Von einem Starkniederschlag wird gesprochen, wenn sich starke Regenfälle auf wenige Niederschlagsereignisse konzentrieren und so in kurzer Zeit große Wassermengen auf die Erde treffen. Gerade nach längeren Dürreperioden können ausgetrocknete Böden große Wassermassen nicht aufnehmen. Zudem besteht nach lang andauernden Niederschlägen Erdrutschgefahr, weil die Bodenfestigkeit fehlt. Die Folgen der starken Regengüsse sind vielfältig. Überschwemmungen beschädigen Eigentum, schränken Aktivitäten ein und können in Extremfällen die menschliche Gesundheit gefährden oder zu Ertrinken führen. Auch schlechte Trinkwasserqualität und Probleme bei der Nahrungs- und Wasserversorgung sind bedrohlich für die Gesundheit des Menschen.

In der kalten Jahreszeit können Gefahren durch extremen Schneefall entstehen. So legte im November 2005 ein Schneechaos das nördliche Nordrhein-Westfalen lahm, es kam zu tagelangen Stromausfällen in der Region Münster (Schwarz et al. 2007).

In den vergangenen Jahren häuften sich in der europäischen Region die Hochwasserkatastrophen. Gefahren während des Hochwassers, bei Wiederaufbauarbeiten, durch zerstörte Infrastruktur oder durch die Flucht der Bevölkerung verursachen Todesfälle, Verletzungen, Krankheiten und psychische Belastungsreaktionen. 

Um diese Risiken in Zukunft besser regulieren zu können, ist es nötig, bauliche Maßnahmen zu ergreifen und Warnsysteme zu installieren, aber auch durch Naturschutzmaßnahmen präventiv zu wirken.


Stürme

Die Veränderung der Sturmaktivitäten in Europa kann die Wissenschaft noch nicht abschließend beurteilen. Eine Studie des WWF vermutet für Norddeutschland durch den Klimawandel folgende stürmische Entwicklungen:

• die Anzahl der Winterstürme steigt an

• die Anzahl der Tage mit hohen Windgeschwindigkeiten steigt an

• die maximalen Windgeschwindigkeiten erhöhen sich (WWF 2006)

Für Deutschland ist kein eindeutiger Trend hinsichtlich der Anzahl schwerer Sturmereignisse festzustellen. Es wird vermutet, dass die Zahl der Stürme in Deutschland um die Hälfte ansteigt und dass sie mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten – 10- bis 15 %ige Erhöhung der maximalen Windgeschwindigkeit – einhergehen können (WWF 2006). Sturmereignisse wie der Orkan Kyrill vom Januar 2007, der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 km/h zu erheblichen Sach- und Personenschäden (47 Todesopfer) in weiten Teilen Deutschlands führte, zeigen die Relevanz der Thematik. Stromausfälle, Beeinträchtigungen im Auto-, Zug- und Flugverkehr, Schließungen von Kindergärten, Schulen, Universitäten und Betrieben sowie weitreichende Schäden in der Holzwirtschaft sind die ökonomischen Folgen, die solche Sturmereignisse nach sich ziehen.

Aufgrund der geographischen Lage Deutschlands im Zentrum Europas haben atlantische Stürme keinen so erheblichen Einfluss wie in westlichen und nördlichen Ländern. Dennoch erfordert die erwartete Zunahme von Sturmereignissen einen stärkeren Schutz vor allem von Städten und Touristenzielen in Küstengebieten.


Hitzewellen

Forscher vermuten, dass der anthropogene Treibhauseffekt das Risiko von Hitzewellen vervielfacht. Eine Folge dieser Veränderungen ist beispielsweise die Zunahme von Hitzeperioden mit hitzebedingten Gesundheitsproblemen, wie sie zum ersten Mal 2003 in Deutschland massiv und flächendeckend auftraten (ZEBISCH et al. 2005) und die in Europa etwa 55.000 Tote forderten, allein 35.000 im August (JENDERITZKY 2007). Besonders betroffen sind hier die urbanen Räume, wo die bekannte klimatologische Sondersituation der städtischen Wärmeinsel im Zuge des Klimawandels verstärkt werden wird.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen haben Hitzewellen auch ökonomische Folgen, z. B. wenn eine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu Produktivitätsverlusten führen.

Wegen der aufgeheizten Flüsse und Gewässer im Sommer 2003 konnten Atomkraftwerke nicht ausreichend gekühlt werden und mussten ihre Leistung herunterfahren. Eine Minimierung der Stromproduktion und anschließende Preissteigerungen waren die Folgen. Aufgeweichter Asphalt verursachte Behinderungen im Straßenverkehr. Niedrige Wasserstände führten zu Einschränkungen in der Binnenschifffahrt.

Auch die Ökosysteme sind durch den Wassermangel gefährdet. Die Pflanzen wachsen langsamer und Schädlinge vermehren sich stark, was auch zu Produktionseinbußen in der Landwirtschaft führt. Hohe Temperaturen in Flüssen und Gewässern können Fischsterben auslösen. Ständige Waldbrandgefahr birgt Risiken für Erholungs- und Lebensräume des Menschen (Koppe et al. 2003Schwarz et al. 2007).

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