Bundesamt für Naturschutz

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Natürliche Heilmittel


Die Magier-Kegelschnecke produziert ein hochwirksames Nervengift – Grundlage für ein neues Schmerzmittel © Prof. Dr. F. Brümmer
Foto: Magier-Kegelschnecke © Prof. Dr. F. Brümmer

Viele Naturstoffe aus Pflanzen und Tieren sind Grundlage von Arzneimitteln. Besonders den Heilpflanzen kommt bei der Behandlung von Krankheiten große Bedeutung zu. Weltweit werden schätzungsweise mehr als 50.000 Arten zu Heilzwecken eingesetzt – ein Achtel aller bekannten Pflanzenarten. Weiterhin liefern einige tausend Tierarten und hunderte von Pilz- und Bakterienarten wichtige Substanzen für die Gesundheit des Menschen (WWF 2009). 

Aspirin – Ausgangsstoff aus der Silberweide
Ein bekanntes Beispiel für die Verwendung pflanzlicher Naturstoffe als Grundlage für Arzneimittel ist die Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin. Bereits in der Antike wurde die schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung des Saftes, den man aus der Rinde von Weiden gewann, eingesetzt. 1899 wurde der synthetisch nachgebildete Wirkstoff (ASS = Acetylsalicylsäure) als Aspirin zum Patent angemeldet und auf den Markt gebracht.

Prialt – Schmerzmittel aus der Conusschnecke
Die hochwirksamen Nervengifte der marinen Kegelschnecke (Conus magnus L.), die sogenannten Conotoxine, werden als Modelle für Schmerzmittel genutzt. Der synthetische Nachbau ist seit kurzem in den USA unter dem Handelsnamen Prialt auf dem Markt und in der Therapie von neurologischen Erkrankungen erfolgversprechend. Conotoxine haben einen anderen Wirkmechanismus und keine morphintypischen Nebenwirkungen wie Atemdepression, Abhängigkeit und Toleranz und sind daher eine gute Alternative zu den häufig eingesetzten Derivaten des Morphins (Proksch et al. 2006).

Avarol – AIDS-Mittel aus Schwämmen
Schwämme gehören unter den Meeresorganismen zu den ertragreichsten Quellen für bioaktive Substanzen. Da Schwämme sessil leben, ist der Einsatz von bioaktiven Substanzen zur Verteidigung gegen andere Tiere oder gegen den Überwuchs durch Algen lebenswichtig. Diese Substanzen sind von hohem pharmazeutischen Wert. Das Wirkspektrum reicht von antibakteriell und entzündungshemmend bis hin zu cytotoxisch und virostatisch. So wurde aus dem Schwamm Dysidea avara Avarol synthetisiert, das in Zellkulturen AIDS-Viren abtötet. Gegenwärtig gelten Schwämme als besonders reich an Wirkstoffen für potenzielle Medikamente (Produktivkraft Natur 2009).

Magengeschwür-Forschung, zu spät für den Magenbrüterfrosch
Die Kaulquappen der beiden Arten der australischen Magenbrüterfrösche (Rheobatrachus spec.) wuchsen im Magen des Muttertieres heran. Eine von den Kaulquappen produzierte Substanz blockierte vermutlich die Produktion von Magensäure und Enzymen, so dass die Kaulquappen vor der Verdauung geschützt waren. Forscher erhofften sich von Erkenntnissen über diese "Kaulquappen-Substanz" einen entscheidenden Beitrag zur Behandlung von Magengeschwüren bzw. Magenkrebs. Die Studien konnten jedoch nicht fortgeführt werden, da die beiden Magenbrüterarten inzwischen als ausgestorben gelten und medizinisches Wissen damit für immer verloren ging (Sustaining Life-Studie).


Ringelblume (Calendula officinalis) © Atelier Papenfuss
Foto: Ringelblume © Atelier Papenfuss

Heilpflanzen

Von den etwa 400.000 Pflanzenarten weltweit ist ein kleiner Teil für den Menschen besonders interessant – die Heilpflanzen. Sie enthalten Wirkstoffe, die Erkrankungen heilen oder lindern können. Die Bedeutung pflanzlicher Arzneimittel für Gesundheitsversorgung und Gesundheitswirtschaft ist enorm. Ca. 50 % der heute in Deutschland gebräuchlichen Arzneimittel basieren auf Inhaltsstoffen aus Heilpflanzen, von denen etwa 70–90 % immer noch wild gesammelt werden. Insgesamt beträgt der Umsatz an Arzneimitteln pflanzlichen Ursprungs weltweit etwa 20 Milliarden $ pro Jahr (BMU 2007). 


Schutz und nachhaltige Nutzung

Allerdings kann auch die Arzneimittelgewinnung selbst zur Bedrohung von Arten führen, vor allem durch Übernutzung oder Aberntung gefährdeter Arten. Derzeit sind schätzungsweise bis zu 15.000 Heil- und Aromapflanzen, dies sind über 20 % der Heilpflanzen, in ihrem Bestand gefährdet (WWF Traffic 2007). Um die Heilpflanzenbestände zu erhalten und eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen, hat das BfN gemeinsam mit der Weltnaturschutzunion (IUCN) und dem WWF den Internationalen Standard für Nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen (ISSC-MAP) entwickelt. 

Neben der Übernutzung der Bestände und dem internationalen Handel führen auch der Verlust und die Degradierung von Lebensräumen beispielsweise durch Intensivierung der Landwirtschaft oder die Ausweitung von Siedlungsflächen zum Rückgang und zur Bedrohung von Arten.

Neben Pflanzen werden auch Pilze und Tiere zur Arzneimittelgewinnung genutzt und dadurch ebenso in ihrem Bestand gefährdet. Einen Überblick über bedrohte Pflanzen- und Tierarten bietet die Sustaining Life-Studie des UN-Umweltprogramms UNEP (Sustaining Life-Studie).


Good Practice

Damit wir auch künftig Heilpflanzen nutzen können, sind verschiedene Maßnahmen notwendig. Dazu zählen neben dem Schutz der Lebensräume und nachhaltigen Sammelmethoden auch die Zusammenarbeit von Naturschutz und Medizin sowie die Entwicklung weiterer Standards und Kontrollen.

Dass eine Zusammenarbeit von Unternehmen und Naturschutz gut funktionieren kann, zeigt die Weleda AG. Die dort verarbeiteten Arnikapflanzen stammen aus Naturschutzprojekten in Rumänien und Frankreich (Weleda 2007). Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von Rosen aus biologischem Anbau im Taubertal in Deutschland für die Herstellung kosmetischer Produkte.

Aus unserer Projektdatenbank:

zur Projektdatenbank

Links

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Afrikanische Teufelskralle Wanderausstellung des BfN

Bedrohte Arten Sustaining Life Studie

Medizin aus der Natur WWF

Heilpflanzennutzung Weleda

Produktivkraft Natur 2009 Heilkraft Natur

Fair Wild Foundation www.fairwild.org

Nachhaltige Nutzung von Wildpflanzen BfN