Bundesamt für Naturschutz

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Stadtgrün


Innerstädtische Grünflächen sind eine maßgebliche Gesundheitsleistung © Andreas Huth
Foto: Stadtpark © Andreas Huth

Natur im urbanen Raum

Städte sind Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum des Menschen und zugleich auch Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Lebenswerte Städte werden durch eine Vielzahl von Grünflächen und Grünelementen geprägt: Stadtwälder, Parkanlagen, Sport- und Spielflächen, Gärten, Friedhöfe, Alleen, Einzelbäume, Fassaden- und Dachbegrünungen …

Mehr Natur in der Stadt führt zu mehr Lebensqualität und bietet ein gesünderes Arbeits- und Wohnumfeld und ausreichend Erholung für alle. Für Kinder garantiert Natur in der Stadt vielfältige Spiel- und Naturerfahrungsmöglichkeiten. Sie sichert auch die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren, den natürlichen Wasserkreislauf und die Sauerstoffproduktion.

Innerstädtische oder stadtnahe Grünflächen tragen durch den Ausgleich städtischer Umweltfaktoren entscheidend zu Gesundheitsvorsorge und -erhalt bei. So bewirken beispielsweise Pflanzen und Bäume durch die Blatttranspiration einen klimatischen Ausgleich der als „Wärmeinseln“ fungierenden Stadtgebiete (Kuttler 1997). Vor allem Bäume und Sträucher spenden Schatten, sorgen für Wasserspeicherung und erhöhen durch Verdunstung die Luftfeuchtigkeit. Bäume verringern außerdem die Windgeschwindigkeit, filtern Stäube, Feinstäube und auch gasförmige Schadstoffe aus der Luft (Forum DIE GRÜNE STADT 2008). Zudem dämpfen Grünflächen und Baumbestände Lärm, der in urbanen Gebieten durch Straßenverkehr und Industrie vermehrt auftritt. Lärm kann Schlafqualität, Leistungsfähigkeit, psychische Befindlichkeit und physiologische Funktionen wie das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen (Passchier-Vermeer & Passchier 2000; Stansfeld & Matheson 2003).


Mehr Grün in die Stadt

Experten fordern daher, das Thema Stadtgrün wegen der positiven Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden in der Stadtplanung zentral zu integrieren (Maas et al. 2006). Qualität und Quantität innerstädtischer Grünflächen werden sogar als maßgebliche Gesundheitsleistung angesehen (Mitchell & Popham 2007). Entscheidungsträger in Städten oder Gemeinden können in diesem Zusammenhang die Handlungsempfehlungen zum Erhalt und Ausbau innerstädtischer Grün- und Bewegungsflächen „Menschen bewegen – Grünflächen entwickeln" (BfN 2008) nutzen. Der Leitfaden erläutert die notwendigen Kommunikations- und Organisationsstrukturen für die Umsetzung, enthält Gute-Praxis-Beispiele aus verschiedenen Städten und konkrete Checklisten, mit denen die Vorschläge in der eigenen Stadt oder Gemeinde Schritt für Schritt umgesetzt werden können.


Grün für alle Generationen

Grünräume im urbanen Raum können vor allem bei Kindern und Jugendlichen die motorische, kognitive, emotionale und soziale Entwicklung fördern (Hüttenmoser & Degen-Zimmermann 1995). Gerade für Kinder ist es wichtig, auch in der Stadt Naturbeobachtung und Naturerfahrung zu ermöglichen, um Verständnis für natürliche Prozesse zu fördern und diverse Fähigkeiten zu verbessern. Insgesamt wird die Entwicklung des Kindes positiv beeinflusst, da die Fantasie gefordert und alle Sinne angesprochen werden. Einen ausführlichen Einblick in die Thematik bietet das BfN-Skript „Kinder und Natur in der Stadt“ (BfN 2008). Die Forderung nach Naturerfahrungsräumen, die einen Beitrag zur Förderung der Lebensqualität insbesondere von Kindern in den Städten leisten und gleichzeitig den Belangen der biologischen Vielfalt dienen, hat mittlerweile Eingang in das neue Bundesnaturschutzgesetz gefunden.

Doch Grün in der Stadt tut nicht nur Kindern gut, sondern sichert und verbessert die Lebensqualität aller Generationen. Dort, wo Stadtgrün schnell und direkt erreichbar ist, steigen Lebensqualität und Lebenserwartung insbesondere älterer Stadtbewohner, wie eine japanische Studie nachweist (Takano et al. 2002). Grünräume im urbanen Raum tragen außerdem zu sozialer Integration bei (Health Council of the Netherlands 2004).