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Neozoen


Diese Süßwasserqualle wurde unbeabsichtigt eingebracht © Franz Brümmer
Foto: Süßwasserqualle (Neozoen) © Franz Brümmer

Neozoen in Deutschland

70 % der in Deutschland vorkommenden Neozoen wurden unbeabsichtigt eingebracht, vor allem durch den Bau von Kanälen und durch die Schifffahrt. Durch Aquakultur (Pazifische Auster Crassostrea gigas), Fischerei (Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss) und Jagd (Mufflon Ovis musimon) wurden Neozoen bewusst eingeschleppt oder konnten aus Gefangenschaft ausbrechen (der zur Pelzzucht gehaltene Nordamerikanische Waschbär Procyon lotor).

Problematische Wirbeltier-Neozoen sind aus Naturschutzsicht vor allem der Amerikanische Nerz oder Mink (Mustela vison) und der Amerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbeiana), da sie heimische Arten durch Nahrungskonkurrenz oder Fraßdruck gefährden. 

Gefahr für den Menschen

Auch Neozoen können Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben und Krankheiten oder Parasiten auf den Menschen übertragen. So zum Beispiel der Bisam (Ondatra zibethicus) als Zwischenwirt von Katzen- und Hundebandwurm (Hydatigera taeniaeformis und Dipylidium caninum) und der Waschbär (Procyon lotor) als Überträger des Waschbärspulwurms (Baylisascaris procyonis).


"Neue" Erkrankungen durch "neue" Tiere

Nach einer Studie des Umweltbundesamtes (Maier 2003) sind auch in Deutschland wesentliche Voraussetzungen für das Auftreten neuer, von Tieren übertragener Erkrankungen gegeben. Durch veränderte Bedingungen können Tiere einwandern, die entweder direkt mit Viren, Bakterien oder Parasiten Krankheitserreger übertragen oder als Zwischenwirt von einem Überträger besiedelt werden. In Deutschland und den Nachbarländern wurden bereits folgende Erreger nachgewiesen:

  • Die Tigermücke (Aedes albopictus), Überträger des Dengue-Fiebers und ursprünglich in Asien beheimatet, wurde in Frankreich und Italien entdeckt. Hauptverbreitungsweg ist die Verschleppung über Transportmittel aller Art.
  • Die Sandmückenart Phlebotomus mascittii, bekannt als Überträger der Leishmaniose in Süd- und Südwesteuropa, wurde kürzlich auch in Deutschland gefunden.
  • Teile Deutschlands waren bis Mitte der 1950er Jahre episodisch Malaria-Gebiete. Wenn sich die Entwicklungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten für die Anopheles-Mücke in Deutschland klimabedingt verbessern, kann das Risiko steigen, sich auch hier durch ihre Stiche mit dem Malaria-Erreger zu infizieren.

Gefährdungsszenarien für die menschliche Gesundheit

Bis zum Jahr 2002 wurden in Deutschland über 1.300 Neozoen identifiziert, davon gelten etwa 260 als etabliert. Die meisten Neozoen zählen zu den Insekten, unter denen eine Vielzahl weiterer bisher unentdeckter Neozoen vermutet wird. Die humangesundheitlichen Auswirkungen von Neozoen können zu drei Gefährdungsszenarien zusammengefasst werden (Gleiter et al. 2002):

  • Neozoen schleppen Krankheiten ein. Berühmtestes Beispiel hierfür ist der Erreger der Pest (Yersinia pestis), der durch die Hausratte (Rattus rattus) oder die Wanderratte (Rattus norvegicus) über den Pestfloh (Xenopsylla cheopis) eingebracht wurde. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass neue Malaria- oder Gelbfieber-Überträger, zum Beispiel Stechmücken wie die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, eingeschleppt werden.
  • Heimische Tiere dienen als Vektoren eingeschleppter Krankheiten. Beispiel ist die einheimische Zecke (Ixodes ricinus), die das aus Südosteuropa stammende Bakterium Borrelia burgdorferi, den Erreger der Lyme-Borreliose, überträgt.

Links

Waschbär-Projekt im Müritz-Nationalpark

Waschbären in Berlin

Zahlen und Fakten zu Neozoen in Deutschland

Aquatische Neozoen