Bundesamt für Naturschutz

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Neophyten


Amerikanischer Riesenaronstab bedroht angestammte Taunus-Vegetation © Stefan Lehrke
Foto: Amerikanischer Riesenaronstab © Stefan Lehrke

Die meisten Neophyten kommen an anthropogen geprägten Standorten, also vorwiegend in Städten und dicht besiedelten Gebieten zum Beispiel an Verkehrswegen und auf Ruderalflächen vor. Invasive Neophyten können einheimische Arten in deren natürlichen und naturnahen Biotopen durch Konkurrenz und Verdrängung gefährden (BfN 2008).

Inzwischen werden Neophyten von Naturschutzbehörden zunehmend als problematisch wahrgenommen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Arten(gruppen) Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera), Stauden-Knöteriche (Fallopia japonica, Synonyme: Reynoutria japonica, Polygonum cuspidatum) und Goldrute (Solidago) (BfN 2008).


Gesundheitsgefährdende Arten

Zwei Neophyten besitzen besondere Relevanz für die menschliche Gesundheit: der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) und die Ambrosie oder Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia). Die Pollen der aus Nordamerika stammenden Ambrosie können heftige Allergien mit Symptomen wie Atemnot und Krankheiten wie Asthma auslösen. Pollenanzahl und -produktion dieser Pflanzenart sind klimaabhängig. Sie bevorzugt lange, warme Sommer bis zur Samenreife, so dass im Zuge des Klimawandels von einer verstärkten Vermehrung der Ambrosie ausgegangen werden muss (BfN 2008).

Die Ambrosie wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa gebracht, verschwand aber zunächst wieder. Durch Vogelfutter aus Ungarn wurden ihre Samen erneut eingeschleppt und mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen verbreitet (Alberternst et al. 2006Otto et al. 2008). In über zwei Dritteln aller Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands sind Ambrosia-Vorkommen erfasst, der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Süden und Osten Deutschlands (Klingenstein & Otto 2008).

In der Schweiz besteht eine Melde- und Bekämpfungspflicht für Ambrosia-Pflanzen. Darüber hinaus ist die Einfuhr von Vogelfutter und Saatgut, das Ambrosia-Samen enthält, verboten (BfN 2008).

Der aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau, der inzwischen in Deutschland weit verbreitet ist, hat ebenfalls negative gesundheitliche Auswirkungen. Er kann bei Berührung in Verbindung mit Sonnenlicht Hautreizungen hervorrufen. Die Behandlung seiner Vergiftungswirkungen und Bekämpfungsmaßnahmen haben signifikante wirtschaftliche Auswirkungen. So werden die Behandlungskosten für Deutschland auf über eine Million Euro pro Jahr geschätzt, die Bekämpfungskosten auf über 10 Millionen Euro (BfN 2008). 

 


Ambrosie – kaum relevant für den Naturschutz

Auch wenn die Ambrosie bereits in Schutzgebieten auftritt, werden ihre Auswirkungen aus Naturschutzsicht als unproblematisch eingeschätzt (Klingenstein & Otto 2008). Bisher drohte nur in einem Fall ein größeres Vorkommen der Ambrosie, indigene Arten zu verdrängen (Alberternst et al. 2006). Probleme für den Naturschutz könnten auftreten, wenn Bekämpfungsstrategien zu vermehrtem Pestizid-Einsatz führen und dabei auch andere Pflanzen geschädigt würden (Klingenstein & Otto 2008).

Links

Invasive Pflanzenarten Neobiota 

Steckbrief Ambrosia

Steckbrief Herkulesstaude

Informationen zur Beifuß-Ambrosie

Bekämpfung von Ambrosia