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Kneipp-Verfahren


Die Lehren des Wasserdoktors bleiben aktuell © Regina Martin
Foto: Wassertretbecken © Regina Martin, Kneipp- und Kräuterhof

Kneippsche Lehren

Die Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp (1821-1897) sind mehr als 150 Jahre alt. Im Rahmen des Natur- und Wellness-Trends der letzten Jahre erfahren sie in Deutschland eine Renaissance. Dabei machen nicht allein die bekannteren Wasseranwendungen die Kneipptherapie aus. Fünf sogenannte Säulen bilden die Basis der ganzheitlichen Theorie, die Kneipp entwickelt hat:

  • Säule 1: Innere Balance (Ordnungstherapie)
  • Säule 2: Natur wirkt in Kräutern (Phytotherapie)
  • Säule 3: Leben in Bewegung (Bewegungstherapie)
  • Säule 4: Gesundheit und Genuss (Ernährungstherapie)
  • Säule 5: Kraft des Wassers (Hydrotherapie)

(Uehleke & Fritz 2005; Kneipp nach Fey 1960 & 1957)

Gegenwärtig entdecken und nutzen Kneipp-Einrichtungen, -Kurorte und -Heilbäder die enge Verbindung der Kneipp-Lehren zur Natur verstärkt, um Patienten und gesundheits- und naturbewusste Touristen anzusprechen (Claßen 2008).


Die fünf Säulen

Die fünf Bereiche der Kneipp-Therapie beschreiben Gesundheitsfelder und Anwendungen, die noch und sogar besonders heute für die ganzheitliche Gesundheit bedeutungs- und wirkungsvoll sind.

Säule 1: Ordnungstherapie

Im Rahmen der Ordnungstherapie soll eine Strukturierung und Regulierung der Lebensordnung der Patienten erfolgen. Es geht dabei insbesondere um die Befähigung der Patienten, ihr Leben auch im Anschluss an Therapie- und Kurmaßnahmen gesundheitsförderlich zu gestalten.

Säule 2: Phytotherapie

Bei der Phyto- oder Pflanzentherapie geht es darum, insbesondere natürliche Arznei- und Heilmittel im Rahmen von Prävention, Therapie und Rehabilitation zu verwenden. Auf diese Weise sollen unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Nebenwirkungen) reduziert sowie der Einsatz chemischer Stoffe minimiert werden. Zu beachten ist dabei, dass es heute aufgrund der vermehrten Heilpflanzen-Importe aus anderen Ländern dennoch zu erhöhten Schadstoffbelastungen und daraus folgenden Nebenwirkungen kommen kann.

Säule 3: Bewegungstherapie

Inhalte der Bewegungstherapie sind vor allem passive Bewegungsarten wie Massagen und Krankengymnastik. Gymnastik soll die Beweglichkeit der Patienten schulen. Das Herz-Kreislauf-System soll durch Sportarten wie Wandern, Walking, Joggen, Radfahren und Schwimmen gestärkt werden. Eine vorherige Untersuchung durch den behandelnden Arzt ist zu empfehlen.

Säule 4: Ernährungstherapie

Ziel der Ernährungstherapie ist das Vermeiden von gesundheitlichen Einschränkungen durch Mangel-, Fehl- oder Überernährung (z. B. Übergewicht, Diabetes mellitus (Typ II), Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Vermittelt werden soll eine gesundheitsfördernde Ernährung, die aus Vollwertkost oder bestimmten Diätformen bestehen kann.  

Säule 5: Hydrotherapie

Zur Hydro-(Thermo-)Therapie gehören Anwendungen wie Reiz-Reaktionstherapie, Kalt-, Warm-, Wechsel- und Heißanwendungen. Hierbei wird der Patient kurzen oder längeren Wasseranwendungen ausgesetzt (ca. 10 bis 60 Sekunden). Dabei geht es nicht darum, eine Wärmeabgabe der behandelten Körperteile zu erreichen, sondern vielmehr darum, Reize zu setzen, die zu einem gesteigerten Wärmefluss aus der Körpermitte führen. Hydrotherapie ist deshalb eine indirekte Wärmetherapie durch Anwendungen wie Waschungen, Güsse, Bäder, Dämpfe und Auflagen.