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Infektionskrankheiten


Durch den Klimawandel weiten sich Vektoren-Brutgebiete aus © Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Zecke © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Der Klimawandel hat direkte und indirekte Auswirkungen auf den Menschen. Direkt beeinflusst wird er beispielsweise durch steigende Temperaturen, indirekt durch die Zunahme neuer Infektionskrankheiten. Insbesondere Vektor-übertragene Infektionen spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. Hierbei handelt es sich um Krankheiten, die durch Vektoren wie Insekten oder Nager auf den Menschen übertragen werden. Infolge des Klimawandels und der steigenden Temperaturen verlagern sich die Brutgebiete einiger Insekten in Richtung Norden, und die durch sie übertragbaren Krankheiten wandern mit. Weitere Faktoren sind verknüpft mit der Globalisierung – Fernreisen und Fernhandel können ebenso Ursachen eingeschleppter Infektionskrankheiten sein (Helmholtz-Zentrum 2009; Maier 2003). Zu den Vektor-übertragenen Krankheiten gehören Chikungunya, Dengue-Fieber, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), Hanta-Virus-Infektion, Leishmaniose, Lyme-Borreliose und Malaria.


Chikungunya

Die tropische Infektionskrankheit Chikungunya geht mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Gelenkschmerzen einher. Sie wird durch einige Stechmücken, vor allem durch die Tigermücke (Aedes albopictus), übertragen. Während die Erkrankung vorwiegend im subtropischen Raum auftritt, kam es im Jahr 2007 erstmals auch in Europa zu einem regional begrenzten (Provinz Ravenna), aber länger andauernden (Juli – Oktober) Chikungunya-Ausbruch mit etwa 200 Fällen. Eingeschleppt hatte das Virus vermutlich ein Südindien-Reisender, es trat aber auch in lokalen Populationen der Tigermücke auf. Im Jahr 2007 wurden auch in Deutschland (Baden-Württemberg) Eier dieser Mückenart entdeckt. Sollten die Temperaturen in Deutschland weiter steigen, kann davon ausgegangen werden, dass die Tigermücke in den nächsten Jahren verstärkt einwandert (RKI 2007; Helmholtz-Zentrum 2009).


Dengue-Fieber

Überträger der Dengue-Viren sind ebenfalls Stechmücken: Ägyptische Tigermücke oder Denguemücke (Aedes aegypti) und Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Das Dengue-Fieber ist eine grippeähnliche Akuterkrankung, die mit Hautausschlag, Kopf- und Gliederschmerzen einhergeht. Schwer und zum Teil tödlich kann die Krankheit bei Kindern verlaufen (RKI 2008a). Laut WHO hat sich das Dengue-Fieber in den letzten Jahrzehnten dramatisch ausgeweitet: Schätzungen zufolge erkranken jährlich etwa 50 Mio. Menschen daran. Als Ursachen für die Zunahme der Inzidenz werden klimatische Faktoren und optimale Brutbedingungen in den bevölkerungsdichten Megacities der tropischen Gebiete diskutiert. Im Zuge der Klimaänderung ist die Asiatische Tigermücke auch in einigen Mittelmeerländern heimisch geworden. Dennoch schätzen Experten das Risiko einer Ausbreitung des Dengue-Fiebers in Deutschland als eher gering ein (Helmholtz-Zentrum 2009).


Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Eine durch Zecken übertragbare Erkrankung ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das FSME-Virus gehört zur selben Familie wie das Dengue-Virus. Die Haupterkrankungszeit für FSME sind die Frühjahrs- und Sommermonate, das Virus kann aber auch bis in den Herbst hinein übertragen werden. Bei warmer Witterung treten selbst im Winter FSME-Fälle auf. Dabei führt nicht jeder Stich einer infizierten Zecke zur Erkrankung – nur bei 30 % der Betroffenen treten Symptome auf. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen. Die erste Phase ist durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen und Schwindel gekennzeichnet. Nach einer bis zu 20 Tage andauernden Fieberzeit entsteht bei ca. 10 % der Erkrankten eine Meningoenzephalitis, die mit komatösen Zuständen und neurologischen Ausfällen einhergehen kann. Die beschriebenen Symptome können dabei noch Monate nach der Erkrankung fortbestehen. Die Chancen auf eine vollständige Heilung stehen dennoch gut. Laut RKI stirbt nur etwa 1 % der FSME-Patienten bei Beteiligung des Zentralen Nervensystems.

Mit dem FSME-Virus infizierte Zecken sind in vielen Ländern Europas zu finden (z. B. Österreich, Baltikum, Kroatien, Slowenien, Albanien, Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Schweden, Finnland). In Deutschland liegen die Hauptverbreitungsgebiete in Baden-Württemberg und Bayern, vereinzelt in Südhessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Der Klimawandel hat auch hier Folgen: Durch steigende Temperaturen und milde Winter werden den FSME-Überträgern ideale Lebensbedingungen geboten, so dass durch ihre Vermehrung das FSME-Risiko in den nächsten Jahren voraussichtlich steigen wird.


Hanta-Virus-Infektion

Das Hanta-Virus kann Symptome wie Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen hervorrufen. Sogar eine temporäre Dialysenotwendigkeit kann in schweren Fällen auftreten (RKI 2008c). Aufgenommen wird das Virus durch das Inhalieren von getrocknetem Urin und Kot der Rötelmaus (Myodes glareolus). Warmes Klima begünstigt die Verbreitung von Hanta-Viren (Helmholtz-Zentrum 2009). So bot der milde Winter 2007 optimale Vermehrungsbedingungen für die Rötelmaus, wodurch ungewöhnlich viele Fälle in Deutschland auftraten: 1.687 Hanta-Virus-Infektionen (RKI 2008c). Dieser Zusammenhang lässt einen weiteren Anstieg der Krankheitsprävalenz vermuten (Helmholtz-Zentrum 2009). 2009 startete das Umweltbundesamt ein Forschungsvorhaben, in dem über drei Jahre die Auswirkungen des Klimas auf Hantaviren übertragende Nagetiere in Deutschland untersucht werden (Klasen 2009).


Leishmaniose

Die Leishmaniose äußert sich durch eine Symptomatik, die von Hautbefall über Schleimhautbefall bis hin zu tödlich verlaufenden Formen mit Belastung der inneren Organe reichen kann (Niedrig et al. 2006, S. 120ff). Schätzungen gehen von weltweit etwa 1,5 bis 2 Mio. Infektionsfällen mit jährlich ca. 60.000 Toten aus (RKI 2008a). Verbreitungsgebiete der Leishmaniose sind in erster Linie tropische und subtropische Länder, auch Teile Südeuropas. Überträger des Parasiten, der die Erkrankung verursacht, sind Sandmücken (Phlebotominae) oder auch Säugetiere wie Hunde. Sandmücken treten auch in wärmeren Gebieten Deutschlands, zum Beispiel Baden-Württemberg, auf (Helmholtz-Zentrum 2009). Setzt sich der Temperaturanstieg in Deutschland im Zuge des Klimawandels fort, sind auch hier originäre Leishmaniose-Infektionen denkbar, da die Verbreitung der Sandmücke eng mit den klimatischen Bedingungen einer Region verknüpft ist. Laut WHO (2005) ist die Inzidenz der Infektionen in Frankreich und Italien bereits angestiegen. In Nordkroatien, Norditalien, Deutschland und der Schweiz sind Erkrankungsgebiete identifiziert worden. Strategien zur Bekämpfung der Leishmaniose beschäftigen sich vorrangig mit der Eliminierung der Sandmücke als wichtigstem Überträger.


Lyme-Borreliose

Lyme-Borreliose ist die in Europa am stärksten verbreitete Krankheit, die Zecken übertragen können. Ihr häufigster Überträger ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Infektionen können in allen Teilen Deutschlands auftreten. Laut RKI sind etwa 5 bis 35 % der Zecken mit Borrelien, den Erregern der Borreliose, befallen. Schätzungen für Deutschland haben ergeben, dass eine Infektion bei etwa 1,5 bis 6 % der Menschen auftritt, die von einer Zecke gestochen worden sind. Zu einer manifesten Borreliose-Erkrankung kommt es bei etwa 0,3 bis 1,4 %. Zum Erregerreservoir gehören in erster Linie Nager und Vögel, aber auch größere Wildtiere wie Rehe tragen als Wirtstiere zur Verbreitung der Borreliose bei. Die Hauptinfektionszeit liegt in den Monaten März bis Oktober.

Symptomatisch äußert sich die Lyme-Borreliose insbesondere über die Haut, das Nervensystem, die Gelenke und das Herz (WHO 2005). Es ist denkbar, dass die ansteigenden Temperaturen und die milden Winter die Lebensbedingungen für die Zecke so verbessern, dass ihre Populationen ansteigen (Helmholtz-Zentrum 2009).


Malaria

Überträger der Malaria-Erkrankung ist die Anopheles-Mücke. Diese Stechmückenart benötigt relativ hohe Temperaturen, hohe Niederschlagsmengen und hohe Luftfeuchtigkeit zum Überleben. Internationale Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass Malaria heute weniger verbreitet ist als noch vor 100 Jahren. Allerdings traten laut RKI (2008d) im Jahr 2008 in einigen Gebieten, zum Beispiel Gambia, wieder verstärkt Malaria-Fälle auf. Allerdings ist der Klimawandel als Ursache dieser erhöhten Inzidenz nicht eindeutig nachgewiesen. Weitere Faktoren, die die Verbreitung der Erkrankung begünstigen können, sind Flüchtlingsströme und fehlender Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung (Helmholtz-Zentrum 2009). 

Die Anopheles-Mücke ist auch in manchen Gegenden Europas heimisch. Trotz einiger Malaria-Fälle in Europa schätzen Experten aber das Risiko für eine Malaria-Ausbreitung in Deutschland durch die globale Erwärmung als gering ein, da zum einen die entsprechenden Biotope für die Anopheles-Mücke fehlen und zum anderen die Krankheit hier relativ schnell erkannt und angemessen behandelt werden kann (WHO 2005; Helmholtz-Zentrum 2009). Die größte Gefahr einer Infektion besteht weiterhin auf Auslandsreisen RKI (2008d).

Aus unserer Projektdatenbank:

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Links

Infektionskrankheiten RKI

Dengue-Fieber WHO

FSME und Verbreitung in Deutschland RKI 

Klimawandel und Ausbreitung von Krankheitserregern UMID Themenheft Klimawandel und Gesundheit

Tipps zum Schutz vor Borreliose und FSME NABU