Bundesamt für Naturschutz

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Extremwetterereignisse


Ab 30°C spricht man in Deutschland von Hitze © Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Risse in trockener Erde © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Hitze

Eine Hitzewelle wird als Periode von mindestens 3 Tagen mit extrem hohen Lufttemperaturen bezeichnet. Als "extrem hoch" eingestufte Werte variieren dabei von Region zu Region. In Deutschland gelten Außentemperaturen von mehr als 30° Celsius als "heiß" (Schwarz et al. 2007).


Erkrankungen durch Hitze

Im Juli und August des Jahres 2003 erlebte Europa eine außergewöhnliche Hitzeperiode. In Deutschland herrschten Tageshöchsttemperaturen von 40,2°C im Schatten, nachts wurden Temperaturen von über 20°C erreicht. In diesem Sommer registrierte Westeuropa etwa 35.000 zusätzliche Sterbefälle – insbesondere Menschen im Alter von über 65 Jahren, die an Hitzschlag, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Atemwegs- und Stoffwechselstörungen starben. Auch Kleinkinder und chronisch Kranke belasteten die extrem hohen Temperaturen. Durch die sehr trockene Luft in Deutschland, die den latenten Wärmefluss erleichtert, stieg die gefühlte Temperatur in Süd- und Westdeutschland kaum über die tatsächliche Lufttemperatur. Aus diesem Grund lag die Sterblichkeit in Deutschland mit ca. 7000 unter der im sogar bevölkerungsärmeren Frankreich mit ca. 30.000 Todesfällen (Schwarz et al. 2007Koppe et al. 2003).


Physiologische Zusammenhänge

Der Grund für die extreme gesundheitliche Belastung durch Hitze liegt im Anstieg der Außentemperatur über die Körpertemperatur hinaus. Wärme kann der Körper in dieser Situation nicht mehr durch Strahlung, sondern nur noch durch Transpiration abgeben. Weil die Transpiration älterer Menschen durch eine Abnahme der Schweißdrüsen im Alter gehemmt ist und sie zudem oft Medikamente einnehmen, von denen manche hitzebedingte Erkrankungen befördern können, sind ältere Menschen besonders gefährdet. Funktionseinschränkungen der vorhandenen Schweißdrüsen und fehlendes Durstgefühl verstärken die Problematik (Püllen & Heudorf 2005).


Schutzmaßnahmen

Im Zuge des Klimawandels ist laut Experten-Prognosen künftig verstärkt mit Hitzewellen und in der Folge mit erhöhter Mortalität in diesen Phasen zu rechnen     (WHO 2005). Besonders das Stadtklima stellt bei extrem hohen Temperaturen durch höhere Lufttemperaturen und geringere Windgeschwindigkeiten eine Belastung dar (Jendritzky 2007). Um einen Anstieg der hitzebedingten Mortalität zu vermeiden, ist es wichtig, Hitzewellen mit ausreichender Aufklärung der Bevölkerung, adäquaten Frühwarnsystemen und Präventions- und Interventionsprogrammen zu begegnen (WHO 2005). In Deutschland sind entsprechende Verfahren durch Verwaltungsvereinbarungen zwischen dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und den Bundesländern realisiert worden (Jendritzky 2007). So hat der deutsche Wetterdienst, wie viele andere europäische Wetterdienste auch, ein Hitzewarnsystem eingerichtet (Koppe 2009). Allgemeine Maßnahmen wie Schutzkleidung, Kopfbedeckung, Sonnencreme, Ventilatoren, kühle Getränke und die Reduktion körperlicher Belastung schaffen gute Voraussetzungen, um Hitzewellen gesund überstehen zu können.


Maßnahmen für ältere Menschen

Um der besonderen Gefahr für ältere und chronisch kranke Menschen zu begegnen, sollte das Personal von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen speziell geschult werden. Es gilt, für ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr zu sorgen und Symptome einer hitzebedingten Erkrankung oder einer Austrocknung bei älteren Menschen frühzeitig zu erkennen. Zudem ist es nötig, Patienten, die mit Medikamenten behandelt werden, deren Wirkung die Entstehung hitzebedingter Erkrankungen begünstigt (Diuretika, Antidepressiva, Neuroleptika), besonders zu überwachen (Püllen & Heudorf 2005). 

Links

Hitze – Gesundheitsrisiken und Schutz

Gesundheitliche Auswirkungen sommerlicher Hitze und Hitzewellen Ratgeber Deutscher Wetterdienst/UBA

Deutscher Wetterdienst

Umweltmedizinischer Informationsdienst

Konferenzbericht BMUB 2011: Klimawandel, Extremwetterereignisse und Gesundheit