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Allergien


In Deutschland sind 20 % der Erwachsenen von Heuschnupfen betroffen © Lena Fey
Foto: Grasblüte Eifel © Lena Fey

Allergische Erkrankungen in Deutschland

Laut Bundes-Gesundheitssurvey von 1998 (Hermann-Kunz 2000) waren bereits 40 bis 43 % der Erwachsenen in Deutschland mindestens einmal von einer Allergie betroffen. Bei etwa 15 % der Erwachsenen war ein allergischer Schnupfen oder ein allergisches Kontaktekzem aufgetreten, bei etwa 6 % eine Nahrungsmittelallergie oder ein Asthma bronchiale und bei etwa 3 % ein endogenes Ekzem. Laut Bundes-Gesundheitssurvey sind Frauen wesentlich häufiger von allergischen Erkrankungen betroffen als Männer. Während bei etwa 33 % der Männer in Deutschland eine Allergie diagnostiziert wurde, waren es bei Frauen etwa 47 %. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Allergiehäufigkeit im Durchschnitt ab (Hermann-Kunz 2000). Die Ergebnisse der Studie bestärken außerdem die Vermutung, dass die Zahl allergischer Erkrankungen insgesamt ansteigt.


Multiple Allergien

Allergiker leiden oftmals nicht nur unter einer Form von Allergie, sondern unter so genannten Kreuzallergien oder mehreren Erkrankungen (Multimorbidität). Ein Zusammenhang besteht beispielsweise zwischen Asthma bronchiale und Heuschnupfen. Hier kann es zum so genannten "Etagen-Phänomen" kommen, bei dem die gesundheitlichen Beschwerden von den oberen auf die unteren Atemwege übergreifen und ein Asthma bronchiale auslösen (Hermann-Kunz 2000). 

Laut Robert Koch-Institut sind in Deutschland ca. 20 % der Erwachsenen und 13 % der Kinder von Heuschnupfen betroffen.


Auslöser und Symptome

Die Ursachen und Auslöser für Allergien sind vielfältig. Dazu zählen genetische Faktoren, Umweltverschmutzung (durch Feinstaub) oder parasitärer Befall (Hausstaubmilben). Allergiker fürchten jedes Jahr wieder die Zeit der Pollenflüge – die Hauptblütezeiten der meisten Pflanzen liegen zwischen Februar (Erle, Hasel) und August (Gräser, Beifuß). Die Pollen der blühenden Pflanzen in der eingeatmeten Luft können bei Allergikern gerötete und tränende Augen, Atemnot, Schnupfen, Juckreiz, Schwellungen oder Rötungen der Haut und Niesattacken auslösen. 


Verlängerte Blühdauer

Der Klimawandel und der damit einhergehende Temperaturanstieg führen zu längeren Wärmeperioden und einer veränderten Niederschlagssituation. Dadurch verlängert sich die Pollenflugsaison und die Pollenbelastung steigt.

Das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin hat die Veränderung der Blütezeit der Birke und ihres Pollenflugs in Berlin untersucht. Die Ergebnisse verdeutlichen die Brisanz des Klimawandels für Allergiker. Im Zeitraum 1984 bis 2007 hat sich der Beginn der Blütezeit der Birke im Durchschnitt um zehn Tage nach vorn verschoben, das Ende um zwei Tage nach vorn. Blühdauer und Pollenflug der Birke haben sich demnach in 13 Jahren um acht Tage verlängert (Dümmel 2007).


Neue Arten als Allergieauslöser

Während es einigen heimischen Arten zu warm wird, fühlen sich zahlreiche exotische, wärmeliebende Arten bei uns in Deutschland bereits „wie zu Hause“. Kurios erscheint zunächst, dass beispielsweise in der nahen Schweiz inzwischen verwilderte Palmen (ostasiatische Hanfpalme) wachsen. Weniger kurios, sondern besorgniserregend ist es jedoch, wenn solche gebietsfremden Organismen sich so sehr ausbreiten, dass sie sowohl die heimische Natur bedrohen als auch für unsere Gesundheit problematisch sein können. Exotische Gartengewächse verwildern zunehmend (Kirschlorbeer, Sommerflieder) und könnten zukünftig auch einheimische Pflanzen verdrängen. Gebietsfremde Arten (Neobiota) mit negativen Auswirkungen auf einheimische Arten und Ökosysteme werden als invasive Arten bezeichnet. Zudem gibt es weitere problematische Arten, die z. B. die menschliche Gesundheit gefährden.

Ambrosie

Prominentes Beispiel für eine problematische Art, die sich durch zunehmend günstigere Klimabedingungen in Deutschland ausbreitet und der deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen zugeschrieben werden, ist die Beifußblättrige Ambrosie (Sperk & Straff 2009). 

Die Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifuß-Ambrosie, Traubenkraut oder Ragweed, stammt ursprünglich aus Nordamerika, gelangte aber bereits im 19. Jahrhundert in Saatguttransporten nach Europa. Noch kommt die Ambrosie in Deutschland nicht flächendeckend vor, hat aber ihr Wuchsgebiet in den letzten Jahren vor allem durch mit Ambrosiasamen verunreinigtes Vogelfutter stark vergrößert. Laut einer BfN-Studie (Otto et al. 2008) wurde die Ambrosie bundesweit bisher in 267 Landkreisen gefunden.

Auswirkungen

Die Ambrosie birgt laut Taramarcaz et al. (2005) ein starkes Risiko für allergische Rhinitis, allergisches Asthma bronchiale, Rhino-Konjunktivitis, Dermatitis und Urtikaria. Aufgrund der späten und langen Blütezeit der Ambrosie von August bis Oktober/November verlängert sich die Beschwerdezeit der Pollenallergiker um zwei bis drei Monate – eine Problematik, die durch den Klimawandel und die steigenden Temperaturen, die die Vegetationsperiode und damit die Samenreife der Pflanze verlängern, weiter verschärft wird. So wurden beispielsweise in den Hitzesommern 2003 und 2006 deutlich mehr Ambrosienpollen in Pollenfallen nachgewiesen als in den Vorjahren. Zahlreiche Kreuzreaktionen mit Nahrungsmitteln verstärken die Ambrosiaproblematik (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz 2008).

Ambrosia-Allergien in Deutschland

In Deutschland reagieren bis zu 26 % der Menschen sensibel auf Ambrosienpollen. Eine einzige Pflanze kann bis zu einer Milliarde Pollen freisetzen, die sich bis zu 100 km weit verbreiten. Die Pollen der Ambrosia sind hochallergen. Heftige allergische Reaktionen können schon bei einer Konzentration von ca. 10 Pollen in 1 m³ Luft auftreten, eine Sensibilisierung kann bei etwa 50 Pollen pro m³ ausgelöst werden. Die Symptome – Schnupfen, Niesreiz, Juckreiz an Augen und Nase – können sowohl bei Allergikern als auch bei Nichtallergikern auftreten. Aufgrund ihrer geringen Größe werden sie leicht eingeatmet und können sich tief in den Bronchien festsetzen. Sie lagern sich zudem besonders schnell in den oberen Atemwegen ab und setzen Proteine frei, die die Produktion allergenspezifischer Antikörper anregen und dadurch Sensibilisierungssymptome auslösen. Beim Berühren der Pflanze kann es zu einer Kontaktdermatitis kommen. Außerdem besteht die Möglichkeit von Kreuzallergien gegenüber verschiedenen Obst- und Gemüsesorten (Apfel, Banane, Pfirsich, Gurke, Sellerie) und Korbblütlern, wie zum Beispiel Kamille und Sonnenblume. Die Allergene der Ambrosia-Pflanze können auch bei über 60-Jährigen, die bisher nur sehr selten von Neuallergien betroffen sind, verstärkt zu allergischen Reaktionen führen.

Gegenmaßnahmen

Um die gesundheitlichen Gefahren durch die Ausbreitung von Ambrosia zu minimieren, sind vielfältige Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen und in mehreren Zuständigkeiten notwendig. In Deutschland gibt es auf Bundes- und Landesebene verschiedenen Aktivitäten wie nationale und regionale Aktionsprogramme, Informationsbroschüren, Merkblätter und Forschungsarbeiten. Von zentraler Bedeutung ist das Aktionsprogramm Ambrosia, das im Jahr 2007 begonnen wurde. Wichtig sind vor allem Beobachtungs- und Überwachungsmaßnahmen zum Vorkommen von Ambrosiapflanzen, -pollen, -samen und der entsprechenden Allergie (Eis & Helm 2009).

Bislang liegen in Deutschland keine Richtlinien vor, die zur Meldung oder Bekämpfung von Ambrosien-Vorkommen verpflichten, wie es bereits in der Schweiz der Fall ist. Wegen der Risiken und im Hinblick auf die immensen Kosten, die dem Gesundheitssystem jährlich durch die Ambrosie entstehen, sollte der Bekämpfung in Zukunft stärkere Beachtung geschenkt werden. Momentan fallen die Kosten für die Beseitigung der Pflanze noch geringer aus als die gesundheitsbezogenen Kosten, die sie verursacht.

Die Bekämpfung der Ambrosie stellt ein Paradebeispiel für identische Zielsetzungen von Naturschutz und Gesundheitsschutz dar. Eine Kooperation beider Sektoren bei der Eindämmung verspricht den größten Erfolg (Heudorf et al. 2008). 

Links

Allergische Erkrankungen Robert Koch-Institut

Allergien bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2013 Robert Koch Institut

Weißbuch Allergie in Deutschland 2010

Pollenflugvorhersage Dt. Wetterdienst

Ambrosie Floraweb

Leitlinien zum Umgang mit der Beifußblättrigen Ambrosie (2009)

Ambrosiabekämpfung in Bayern

Verbreitung Ambrosia in Deutschland

Julius-Kühn-Institut: Informationen und Faltblatt zur Beifuß-Ambrosie 

Klimawandel und Allergien Umid Themenheft Klimawandel und Gesundheit

Tipps zur Heuschnupfenvorbeugung und Behandlung NABU

Hintergrundinformationen des Gesundheitsamtes Baden-Württemberg zu Allergien und Ambrosia

Verbreitung Eichenprozessionsspinner und Allergien

Tierische Allergene Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit