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Bewegung & Gesundheit


Regelmäßiges Wandern beugt Zivilisationskrankheiten vor © Barbara Engels
Foto: Spaziergänger im Wald © Barbara Engels

Bewegungsmangel ist eine der wichtigsten Ursachen der so genannten                   Zivilisationskrankheiten. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben allein im Jahr 2005 etwa 17 Mio. Menschen weltweit an kardiovaskulären Erkrankungen. Bis zu 80 % dieser frühzeitigen Todesfälle wären durch gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und den Verzicht auf Tabakkonsum vermeidbar gewesen (WHO 2006).


Gesundheitsfaktor Bewegung

Körperliche Aktivität spielt demnach eine Schlüsselrolle für die menschliche Gesundheit. Zahlreiche gesundheitliche Determinanten wie Gewicht, Körperfettanteil, Blutdruck, Cholesterin und Knochendichte werden durch Sport und Bewegung beeinflusst. Regelmäßige Bewegung reduziert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes mellitus (Typ II), Osteoporose, Depressionen und einige Formen von Krebs. Bewegung hat dabei nicht nur eine präventive Funktion. Für die meisten Krankheiten besteht zudem eine günstigere Heilungschance, wenn sich die Patienten mehr bewegen (Bird 2004Health Council of the Netherlands 2004).


Politische Intervention

Allerdings bewegt sich noch immer ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland zu wenig. So gaben bei einer telefonischen Befragung durch das Robert Koch-Institut   (Ellert et al. 2006) 44,2% der Frauen und 41,4% der Männer an, keinen Sport zu treiben. Gesundheitspolitische Strategien, die zu mehr Sport und Bewegung auch im Alltag motivieren wollen, sind daher als wichtige Interventionen anzusehen.

Das Bundesministerium für Gesundheit engagierte sich in der Kampagne "Die Prävention" für ein aktiveres Deutschland. So sollte zum Beispiel die Aktion "3.000 Schritte extra" die Sensibilität der Menschen für den eigenen Körper stärken und zu mehr Bewegung und Zu-Fuß-Gehen anregen. Durch eine Förderung von Bewegung in der Natur kann dem zentralen Gesundheitsproblem des Bewegungsmangels in Deutschland wirksam begegnet werden, was wiederum zu Ausgabensenkungen im Gesundheitssystem führen kann (BfN & Deutsche Sporthochschule Köln 2008).

Mit dem Projekt „Let´s go – jeder Schritt hält fit“ wollen der Deutsche Wanderverband und sein Projektpartner, die FH Osnabrück, insbesondere ältere Menschen zu mehr Bewegung im Alltag motivieren. Sie sollen beim Wandern durch Gesundheitswanderführerinnen und -führer angeleitet werden. Das Projekt ist Teil von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und Bewegung“. IN FORM informiert außerdem durch ein Internetportal über Möglichkeiten, Bewegung in den Alltag von Familie, Kita, Schule, Beruf und Freizeit zu integrieren und klärt über gesunde Ernährung auf. 

Auch die deutschen Krankenkassen haben die Problematik längst erkannt und im Rahmen ihrer Aktionen zu Prävention und Gesundheitsförderung auch Bewegungskurse etabliert.


Natur motiviert

Die Evaluation von Interventionsprogrammen in den Niederlanden lässt die Vermutung zu, dass eine attraktive und „grüne“ Umgebung in der Nähe von Wohnort und Arbeitsplatz die beste Motivation zu täglicher Bewegung durch Spazierengehen, Walking und Radfahren darstellt (Maas et al. 2006Health Council of the Netherlands 2004; de Vries et al. 2003). In diesen Sozialräumen bleibt der lebensweltliche Bezug für die Menschen erhalten. In den letzten Jahren hat insbesondere die Form der Erholung und Freizeitgestaltung an Bedeutung gewonnen, die aktiv in wohnortnahen Grünflächen stattfinden kann. Motive wie Erfolg, Wettkampf und Leistung sind in den Hintergrund getreten hinter Spaß, Gesundheit und Naturerleben. Sport in der Natur erfordert keine Vereinszugehörigkeit, braucht keine festen Zeiten, Orte und Termine. Die Natur bietet damit ideale Bedingungen und Anreize für individuelle Bewegungsprogramme.


Natur bewegungsattraktiv gestalten

Als besonders bewegungsfreundlich und damit bewegungsfördernd werden laut einer Studie die Faktoren Zugang zum Zielort, Nutzungsmöglichkeiten bewegungsförderlicher Anlagen und Funktionalität beurteilt (Pikora et al. 2003; Pikora et al. 2006). Insbesondere für ältere Menschen spielen im Hinblick auf Bewegung die Lage und die Gestaltung der Grünräume eine wichtige Rolle. Eine japanische Studie (Takano et al. 2002) zeigte, dass nutzbare Grünflächen in der unmittelbaren Wohnumgebung Einfluss auf die Gesundheit älterer Menschen haben und zu einer verlängerten Lebensdauer führen können. Darüber hinaus ist die Sicherheit in urbanen Grünräumen ein bedeutender Einflussfaktor auf Bewegung und Sport in der Natur. Nur wenn Menschen sich in einer Parkanlage, einem Waldstück oder an einem See sicher fühlen, werden sie diese Räume für gesundheitsförderliche Aktivitäten nutzen (Staats & Hartig 2004).


Aktiv im Alter

Laut der Gesundheitsumfrage des Robert Koch-Instituts (Ellert et al. 2006) lässt sich ein deutlicher Alterseffekt in Bezug auf Sport und Bewegung feststellen. Mit zunehmendem Alter nimmt die sportliche Aktivität der Menschen stark ab. So geben 64,3% der Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren an, Sport zu treiben (Männer: 73,3 %), während in der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre dagegen nur noch 55,5 % der Frauen (46,8 % bei den Männern) sportlich aktiv sind. Bei den über 70-Jährigen sind es nur noch 31,9 % der Frauen und 35,0 % der Männer (Ellert et al. 2006). Dabei ist körperliche Inaktivität im Alter eine der Gesundheitsgefahren, die am leichtesten zu vermeiden sind. Bewegung bietet gerade für ältere Menschen ein großes Potenzial. Schon moderate Bewegung in der freien Natur, wie Spazierengehen, Walking, Radfahren, Schwimmen oder leichte Gartenarbeit, führt zu einem leichten Anstieg der Puls- und Atemfrequenz und kann dadurch bereits gesundheitsförderlich wirken  (Bird 2004).

Gesundheitsfördernde Maßnahmen sollten gerade ältere Menschen zu mehr Bewegung motivieren. Interventionen sollten da stattfinden, wo die Menschen leben, um die Schwelle zur Umsetzung niedrig und die Kosten gering zu halten (Bird 2004).

Aus unserer Projektdatenbank:

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Links

Broschüre "Wandern - Bewegung, die gut tut", der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern BMWi

Deutscher Wanderverband

Fortbildung Gesundheitswanderführer/in Deutscher Wanderverband

Gesundheitswandern Deutscher Wanderverband